Was du vom Weihnachtsmann übers Bloggen lernen kannst

Von Vladislav Melnik 21

Jeden 24. Dezember warten Millionen von Kindern auf einen kleinen, dicken, alten Mann in einem roten Anzug.

Wie kommt man auf diese verrückte Idee?

Der Ursprung des Weihnachtsmanns liegt bei Bischof Nikolaus, der im 4. Jahrhundert in der heutigen Türkei lebte. Dieser war für seine heimlichen Geschenke bekannt.

Nach seinem Tod wurde deshalb am 6. Dezember ein Fest zu seinen Ehren gefeiert.

Später wurde Sankt Nikolaus dann mit Weihnachten in Verbindung gebracht.

Der Weihnachtsmann des 19. Jahrhunderts trug noch oft verschiedene Farben wie Lila, Blau oder Grün.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Rot-weiße-Anzug zum Standardbild. Vor allem die Cola-Werbung hat ordentlich dazu beigetragen.

Heute ist der Weihnachtsmann nur eine Legende. Eine Geschichte. Und genau das ist das Thema.

Aber warum sind Geschichten so kraftvoll?

Geschichten erschaffen Macht

Geschichten ergreifen keine Macht. Sie erschaffen sie.

Wie das Schwert von Excalibur haben Geschichten eine magische Kraft, die keine formale Autorität braucht:

Geschichten erschaffen ihren Status und ihre Macht von alleine.

Als Storyteller leihst du dir diese Kraft, um Menschen miteinander zu verbinden … und ihnen ein Thema näher zu bringen, dass ihnen wichtig ist.

Somit erreichen deine Leser die selbe Schlussfolgerung wie du und entscheiden für sich selbst, was du sagst … und was sie machen sollen.

Wenn deine Leser deine Geschichte zu ihrer machen, dann entfachst du die wahre Kraft.

Aber das ist kein Hokuspokus. Das ist menschlich.

Geschichten sind menschliche Natur

Schon damals saßen unsere Vorfahren in der Abenddämmerung am Lagerfeuer und erzählten sich Geschichten.

Geschichten sind tief in unserer DNA verankert. Sie beschreiben, wie wir die Welt sehen und verstehen.

Eine gute Geschichte ist wie eine Mini-Dokumentation:

Wir erzählen, was wir gesehen haben, damit andere es auch sehen können.

Geschichten sprechen die Sprache des Gehirns, sie sprechen die Sprache der Sinne. Sie überspringen das Bewusstsein und kommunizieren direkt mit dem Unterbewusstsein.

Das am meisten verkaufte Buch der Welt, die Bibel, besteht nur aus Geschichten. Warum wohl?

Geschichten sind besser als Fakten

Niemand mag die kalte, harte Wahrheit. Aber verpackt in eine nette Geschichte … liebt sie jeder!

Gute Stories sind weniger direkt. Sie sind freundlicher und sorgen für weniger Widerstand.

Dein Leser braucht auch nicht mehr Fakten. Er braucht mehr Wissen. Und am besten vermittelst du das mit Geschichten.

Wenn du jemanden beeinflussen möchtest (und das möchtest du immer mit deinem Blog), dann gibt es kein besseres Tool.

Wir Menschen sind nicht rational. Deshalb hat eine gute Geschichte immer ein emotionales Element und feine Details.

Statistiken über die Obdachlosenquote in Deutschland sind nur Statistiken. Aber erst mit einer Geschichte über Otto oder Frieda erwachen sie zum Leben.

Ohne eine Geschichte bedeuten Fakten gar nichts.

Wie du eine gute Geschichte erzählst

Du kannst verlocken, inspirieren, stimulieren oder faszinieren. Aber du kannst niemanden verzaubern dir zuzuhören.

Wenn du jemanden beeinflussen möchtest, dann musst du zuerst seine Aufmerksamkeit einfangen. Danach musst du diese mit etwas verbinden, was ihm wichtig ist. Und dann verbindest du das wiederum mit etwas, dass er sehen, machen oder fühlen soll.

Hier sind fünf Tipps, um dieses Ziel besser zu erreichen:

  • Sei authentisch – Es gibt keine festen Regeln, wie man gute Geschichten erzählt. Der Trick ist einfach, dass du du selbst bist. Als beliebter Blogger bist du wie ein Rockstar. Deshalb ist es auch wichtig, dass du nicht abhebst.
  • Sei spezifisch – „Irrelevante Details“ machen deine Geschichte erst wirklich emotional und interessant. Und jeder gute Werbetexter weiß auch, dass spezifische Dinge die Aufmerksamkeit viel besser auf sich ziehen.
  • Male ein klares Bild – Erschaffe eine virtuelle Realität in den Köpfen deines Publikums. Sie müssen auch die Geräusche, die Gerüche und die Geschmäcker erleben. Es muss besser sein als Kino.
  • Benutze Pausen – Pausen dienen als Verstärker von Emotionen und bauen Spannung auf. Wenn du textest, dann benutze ein „…“ für eine Pause.
  • Finde deine Stimme – Das ist der wichtigste Punkt. Er überspielt alle eben genannten Punkte. Lass dir Zeit und finde deine Stimme. Aber erzwinge es nicht. Fokussiere dich einfach auf deine Gefühle … und deine Stimme wird folgen.

Du darfst deinen Leser einfach nicht langweiligen. Fokussiere dich auf seine Probleme. Zeige Leidenschaft. Und sei einfach menschlich.

Denn das Leben ist nicht perfekt.

Entferne alles unperfekte von einer Geschichte und du nimmst ihr jedes Leben. Deshalb sind unperfekte Geschichten so perfekt.

Fazit

Geschichten waren das erste Werkzeug, um unsere Mitmenschen zu beeinflussen. Sie sind menschliche Natur.

In einer komplexen Welt gewinnt am Ende nicht die richtige und auch nicht die am häufigsten erzählte Geschichte.

Die beste Geschichte gewinnt.

Deshalb gibt es die Geschichte des Weihnachtsmanns schon so lange. Sie ist der ultimative Beweis, dass Geschichten funktionieren.

Wenn du mir eine Geschichte erzählst, die mich berührt, dann schenkst du mir etwas – wir verbinden uns, du berührst mich auf einer tiefen emotionalen Ebene und ich fühle mich lebendig.

Das ist die Macht der Geschichte.

Chimpify Keynote

13. Dezember 2016    10:00 Uhr
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21 Kommentare

  • Hey Vladislav,

    danke für den tollen Artikel! Wie immer nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch wieder ein richtig cooles Vorbild für mich Blog-Anfänger ;-)

    Ich finde gerade den rhetorischen Aspekt von Geschichten so spannend: Rhetorik will informieren, unterhalten und bewegen - genau wie Geschichten auch...

    Liebe Grüße
    Dein
    Dominique
  • Hi Dominique,

    besten Dank! Ist im Prinzip das Selbe, oder? :)
  • Das stimmt! Jeder liebt Storys.

    Und genau das fehlt bei den ganzen Zeitungen und Printmedien:

    Gute und positive Geschichten.

    Keiner möchte nur Zahlen und Fakten. In der Presse werden leider überwiegend negative Schlagzeilen und Geschichten erzählt.

    Sie inspirieren nicht und machen schlechte Laune. Es entsteht keine Bindung. Die Autoren haben zwar studiert aber sie können überhaupt nicht schreiben.

    Wahrscheinlich lese ich daher lieber tolle und unabhängige Blogs wie diese.

    Liebe Grüße aus Bayern,

    melli!
  • Hi Melanie,

    ich würde da sogar noch weiter gehen: Persönlichkeit fehlt in diesen Medien. Deshalb sind Blogs auch so stark.
  • Du hast recht. Ich sehe es an den Besucherzahlen bei den einzelnen Beiträgen. Wenn ich wiedermal was von der Selbstständigkeit erzähle sind die Leser mehr drauf als wenn ich einen eher sachlichen Beitrag vom Stapel lasse.
  • Ganz genau! Deshalb macht es auch noch Sinn, Geschichten und sachliche Beiträge zu verbinden.
  • Hi Vladislav,

    ich kann dir nur zustimmen. Du kennst ja Pat Flynn von Smart Passive Income und ich finde seine Geschichte macht ihn irgendwie auch zu dem, was er ist.

    Ich kenne nicht viele, die so authentisch bloggen und er hat sich so eine der treusten Communities überhaupt aufgebaut.

    Dicker Daumen nach oben für den Artikel!

    Dennis
  • Hi Dennis,

    unsere Geschichte macht uns immer zu dem, wer wir sind :)

    Ja, Pat hat echt eine affenstarke und loyale Community!
  • Hallo Vladislav,

    ein interessantes Thema, das ich bisher eigentlich komplett vernachlässigt habe.

    Vielleicht wird es in Zukunft ja noch mehr Input zu diesem Thema von Dir geben ...!?

    Danke für die Anregung und viele Grüße,
    Giuseppe
  • Hi Giuseppe,

    besten Dank! Jep, wird es!
  • Hi Vladislav,

    wieder ein genialer Beitrag der einem Dinge vermittelt, an die man so von sich aus gar nicht denken würde...

    Danke und Grüße,
    Stefan
  • Moin Vladi,

    danke für die Inspiration.

    Zwei eventuell interessante, ergänzende Gedanken hatte ich während des Lesens:

    1.) das menschliche Hirn speichert Wissen in Bildern. In Wirklichkeit liest Du gerade nicht was ich schreibe, sondern filterst nach "Wort-Bildern". Probiers aus:

    Afugrnud enier Sduite an enier Elingshcen Unvirestiät ist es eagl, in wlehcer Rienhnelfoge die Bcuhtsbaen in eniem Wrot sethen, das enizg wcihitge dbaei ist, dsas der estre und lzete Bcuhtsbae am rcihgiten Paltz snid. Der Rset knan ttolaer Bölsdinn sien, und du knasnt es torztedm onhe Porbelme lseen. Das ghet dseahlb, wiel wir nchit Bcuhtsbae für Bcuhtsbae enizlen lseen, snodren Wröetr als Gnaezs.

    2.) Der Punkt mit dem Unterbewusstsein ist aus meiner Sicht spannend. Noch vor der Bibel, die Du erwähnst, wurde das Wissen am Lagerfeuer in Form von Märchen weitergegeben. Dabei werden Archetypen wie Prinz, König, Ritter usw. verwendet, die (angeblich) im kollektiven(!) Unterbewusstsein der Menschheit abgespeichert sind.

    Viele Grüße,
    Michael
  • Hi Michael,

    keine Ursache! Danke für deine ergänzenden Gedanken!

    1. Genau, deshalb sind lebhafte Geschichten auch so gut, weil sie ein Bild in den Köpfen malen.
    2. Spannendes Thema! Dazu buddele ich demnächst auch mal in "Der Heros in tausend Gestalten".
  • Heyy Vladi,

    schöner Artikel über ein Thema, was mich immer wieder begeistert. Liegt offenbar im Trend, denn ich habe irgendwann mal so nebenbei ein Erklär-Video dazu auf Youtube gestellt, was echt fleißig geguckt wurde :-)

    LG, Nils
  • Hi Vladislav,

    Geschichten sind auch super um die Beispiele zu untermauern und zu "verschönern".

    Sie helfen dem Leser auch sich die Fakten zu merken.

    Bei meinen Beispielen erzähle ich oft auch kleinere Geschichte. Das kommt gut an.

    Cheers,
    Edu
  • Hi Edu,

    jep, genau! Stimmt, das mit dem merken habe ich gar nicht erwähnt, danke!
  • Es ist immer wieder ein Erlebnis deinen Schreibstil zu bewundern! Danke Gottfried

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