Warum du immer zuerst deine Überschrift schreiben solltest

Von Vladislav Melnik 26

„Sollte ich zuerst die Überschrift … oder den eigentlich Text schreiben?“

Das ist eine Frage, die wir uns sicherlich schon alle gestellt haben.

Ich denke, das ist so ein typisches Henne und Ei Problem. Und darüber wurde schon so viel gesprochen. Und kein einheitlicher Nenner gefunden.

Aber wenn du großartige Inhalte erstellen möchtest, dann solltest du immer zuerst mit deiner Überschrift anfangen.

Denn bessere Überschriften. Bessere Inhalte.

Aber lass mich dir erklären warum.

Deine Überschrift ist ein Versprechen an deinen Leser. Ihre Hauptaufgabe ist es, den Nutzen im Gegenzug für seine wertvolle Zeit zu kommunizieren.

Und Versprechen werden gemacht, bevor sie erfüllt werden. Denn wenn du ein Versprechen erfüllen willst, was du noch gar nicht gegeben hast, dann wird es echt schwierig.

Bei meiner Blog-Psychologie-Artikelserie war das nämlich der Fall. Da habe ich nicht, wie normalerweise, mit der Überschrift angefangen. Sondern mit dem eigentlichen Text. Ich kam einfach nicht auf eine gute Überschrift.

Und da ist es passiert, dass ich ab und zu mal eine schlechte Überschrift erstellt habe. Jap … und das passierte mir. Der, der sich werbetextender Blogger nennt.

Wenn du deine Überschrift zuerst schreibst, dann gehst du den richtigen Weg.

Du machst ein Versprechen … und schaust dann, wie du dieses Versprechen erfüllst. Durch diesen „umgekehrten Weg“ sorgst du dafür, dass dein Inhalt klar und strukturiert wird.

Wenn du die Überschrift zuerst schreibst, dann hast du auch noch Vorteile bei der Positionierung. So hast du z.B. für einen List Post automatisch eine Struktur und musst nur noch die Lücken füllen. Oder du schreibst was Shakespeare dir übers Werbetexten beibringen kann. Hier könntest du dich dann immer wieder auf ihn beziehen.

Auch spart das eine Menge Zeit. Denn dann weißt du genau wohin du hingehen möchtest. Du musst nicht lange umherirren und recherchieren. Sondern du hast ein klares Ziel vor Augen.

Aber sprechen wir mal genauer darüber, wie ich in der Regel Überschriften erstelle.

Wie ich meine Überschriften schreibe

Zu aller erst habe ich immer eine grobe Idee. Eine Kernidee, worüber der Artikel handeln soll. Dieser Artikel hier handelt darum, warum du zuerst Überschriften schreiben solltest. Haha, ziemlich klar, oder?

Ich mache es auch so, dass ich den Artikel mehrere Tage vorher in meinem Kopf quasi „vorschreibe“. Natürlich schreibe ich ihn nicht bis ins Detail. So ein Brain bin ich nicht. 🙂

Aber oft habe ich eine Idee für eine Überschrift. Eine Struktur. Den ersten Satz. Oder vielleicht auch einzelne Textbausteine, die ich irgendwo verwenden kann.

Wenn ich so am Grübeln bin, dann schreibe ich mir meine Gedanken sofort in mein Notizen-App. Denn ich habe ein Gedächtnis wie ein Sieb.

Auch Werbetexter Joe Sugarman beschreibt es als „Inkubationsprozess“:

Nachdem du das ganze Denken und Visualisieren gemacht hast, stoppe. Genau, stoppe. Mach etwas anderes. Vergiss das Projekt. Bitte denk nicht mal an deinen Werbetext. Egal ob du es realisierst oder nicht. Du arbeitest an deinem Text.

Texten ist schon etwas magisches. Das Unterbewusstsein ist mächtig. Vertraue diesem … und es wird dich belohnen.

Als ich zuerst darüber gelesen habe, habe ich das auch nicht geglaubt. Aber mittlerweile vertraue ich meinem Unterbewusstsein. Und wir sind ziemlich gute Freunde geworden! 😉

Denn dein Gedächtnis ist immer Arbeiten. Lass es nur zu.

Das heißt also, du solltest eine Kernidee haben (z.B. ein Artikel zum Thema „Überschriften schreiben“). Dann solltest du deine Überschrift schreiben. Dann die Struktur. Und dann den eigentlichen Inhalt. Ziemlich simpel. Oder?

Aber es gibt eine Ausnahme. So wie immer.

Wann du die Überschrift nicht zuerst schreiben solltest

Wie in meinem obigen Beispiel erwähnt, fange ich auch nicht immer mit einer Überschrift an. Es gibt immer Ausnahmen. Sie bestätigen eben die Regel.

Wenn das der Fall ist, dann benutze ich einfach eine vorübergehende Überschrift. Dann arbeite ich erstmal damit und kümmere mich um den eigentlichen Text.

Danach fällt mir oft eine bessere Variation ein, die die Kernidee besser wiederspiegelt. Oder eine bessere Idee, wie ich meinen Artikel positionieren könnte.

Im Detail sieht der Prozess so aus:

  • Schritt 1: Beginne mit deinem groben Thema.
  • Schritt 2: Schreibe eine vorübergehende Überschrift.
  • Schritt 3: Strukturiere deinen Inhalt.
  • Schritt 4: Überarbeite deine vorübergehende Überschrift.
  • Schritt 5: Erstelle den restlichen Inhalt.
  • Schritt 6: Schreibe deine Überschrift solange um, bis sie perfekt ist.

Das heißt also, manchmal weißt du nicht genau, worüber du schreiben willst. Oder du weißt nicht genau, was dein Ziel ist. Oder du hast noch keine klare Meinung. Keine klare Sichtweise. Genau dann findest du das alles erst beim Schreiben heraus.

Und genau dann solltest du deine Überschrift zum Schluss schreiben.

Fazit

Deine Überschrift ist ein Versprechen. Und Versprechen werden gemacht, bevor sie erfüllt werden. Schreibe deshalb deine Überschrift immer zuerst.

Es sei denn, du hast noch keine Klarheit. Benutze dann eine vorübergehende Überschrift und verbessere die während des Schreibens. Immer und immer wieder.

Und wenn du noch mehr über perfekte Überschriften lernen möchtest, dann kannst du dich freuen. Denn das hier ist der erste Teil der Serie zum Thema: „Wie du magnetische Überschriften schreibst“.

Aber wie sieht’s bei dir aus?

Schreibst du zuerst die Überschrift oder zuerst den eigentlichen Text?

Chimpify Keynote

13. Dezember 2016    10:00 Uhr
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26 Kommentare

  • Es kommt wohl darauf an, ob man den Anspruch hat, einen Werbetext zu schreiben – oder ob man journalistisch an seinen Blog-Artikel herangeht.

    Mal angenommen man schreibt keinen einfachen Werbetext und hat sich ein bestimmtes Thema vorgenommen: Wenn man nicht gerade Gott persönlich ist, so wird zu allererst damit anfangen sich zu überlegen, wo man objektive Hintergrundinformationen, Belege und interessante Meinungen erfährt: Man liest sich ein, man recherchiert, man spricht mit anderen. Erst hier sollte der eigene Meinungsbildungsprozess stattfinden. Denn wenn ich einem Leser nützliche Informationen vermitteln möchte und ihn nicht nur unterhalten will, sollten eigene Meinungen zunächst hinten anstehen. Sind alle Informationen zusammengetragen, kann ein Text entstehen.

    Erst wenn dieser Text fertig ist, kennt der Autor selbst ihn auch wirklich – von der Einleitung bis zur Po-Ente ;-). Und erst dann kann das angesprochene doch wirklich Versprechen stattfinden. Denn wieso verspricht man etwas, wenn man noch gar nicht weiß, ob man es halten können wird?

    Ich gebe allerdings zu: Wenn man es nicht zum Ziel hat, objektiv zu Informieren, sondern mit seinem Text einfach einen bestimmten Einfluss haben möchte, dann macht es durchaus Sinn, eine zuvor festgelegte Überschrift als roten Faden zu begreifen, der einen in den eigenen Gedankengängen stützt. Aber mal ehrlich: So oder so wird jeder seine Überschriften nochmal überdenken und häufig auch ändern, nachdem er/sie einen Text fertig geschrieben hat oder wenn z.B. die eigenen Gedanken jemanden im Schreibprozess woanders hin leiten, als man das ursprünglich angenommen hat.
  • Hi Malte,

    der affenblog ist für Blogger mit Gewinnabsicht - also hat man immer den Anspruch, Werbetexte zu schreiben :)

    Aber ansonsten stimme ich dir zu.
  • […] uns zuerst mit dem wichtigsten Teil deines Artikels. Wie es übrigens auch Vladislav Melnik vom Affenblog und Brian Clark von Copyblogger […]
  • Mhh... der Artikel hat mich nun doch zum Nachdenken gebracht. Der Gedanke mit dem "Versprechen" in der Überschrift ist mir bislang nicht so bewußt gewesen. Ich schreibe meine Texte nämlich auch zuerst und die Überschrift hinterher. Ich tue mich wirklich schwer mit einer anspruchsvollen Überschrift - und das auch noch vor dem Text - puhh.
    Oft ergibt sich während des Schreibens ein Gedankenblitz für eine Überschrift, den nutze ich dann. Wenn nicht, grüble ich am Ende des Textes über eine passende Headline.

    Aber ich nehme die Anregung auf, und probiere es mal andersherum.
  • Hey,

    wenn ich mir die Kommentare anschaue, dann gibt es anscheinend viele, die das genau umgekehrt machen. Über anspruchsvolle Überschriften geht es ja genau in dieser Artikelserie. Soll auch Blank-Templates geben, die du dann nur noch ausfüllen brauchst.

    Würde mich freuen. Sag Bescheid, wie's war.
  • Genau so mache ich das auch. Mir geht es immer so, das ich mich im Text total verliere, wenn ich davor keine Überschrift gesetzt habe. Wenn ich aber eine Überschrift gesetzt habe, weiß ich ganz genau was der Leser erwartet, wenn er meine Überschrift liest, und somit weiß ich auch, was ich schreiben soll. Eigentlich perfekt oder?

    Klar, hin und wieder ändere ich die Überschrift und mache sie noch etwas perfekter.
  • Hi Dimitri,

    sauber! Ja, dann schreibst man irgendwohin ... aber nicht ans Ziel. Genau, deshalb ist das der richtige Weg.
  • Hallo Vladislav,

    ich habe spontan "Nein!" gerufen, als ich Deine Überschrift las, denn ich schreibe die Head fast nie zu Beginn ;-).

    Manchmal fällt mir spontan schon am Anfang eine Überschrift ein, aber ganz selten überlebt diese den Schreibprozess. Manchmal führt sie mich sogar auf eine falsche Fährte! Normalerweise beginne ich mit dem groben Thema und strukturiere den Text vor. Dann schreibe ich den Text (mit den genannten Gärungsprozessen dazwischen - sofern genug Zeit dafür ist). Und erst dann kümmere ich mich um die Headline.

    Wobei es natürlich auch auf die Textsorte ankommt. Tendenziell schreibe ich die Head bei längeren Texten/Artikeln ganz am Schluss und bei kürzeren auch schonmal eher.

    Manchmal habe ich Glück und im Text selbst fällt ein genialer Satz für eine Überschrift ab. Diese Chance möchte ich nicht vertun ;-).

    Viele Grüße
    Annette
  • Hi Annette,

    ah, genau umgekehrt also. Ich lasse meine Überschrift verhältnismäßig oft. Ich grübele halt tagelang davor und komme so auf die Überschrift.

    Ist aber auch wirklich ein interessanter Weg, das genau umgekehrt zu machen. Ich bleibe jedoch bei Überschrift zuerst :)
  • Ich mache es (bisher) immer genau umgekehrt. Ich werde deiner Anregung folgen und ab jetzt zuerst die Überschrift suchen und daran herumtüfteln bis sie wirklich passt.

    Kleine Anekdote am Rande, die so ein bisschen zum Thema passt: Ich schreibe geschäftlich viele E-Mails (vor allem konzernintern). Ich habe mir angewöhnt, Betreff + Empfänger immer erst ganz zum Schluss einzusetzen. Das fordert, glaube ich wenigstens, die Konzentration, so dass am Ende kein Text jemanden erreicht, für den er vielleicht nicht bestimmt war. Die Vervollständigungsoption von Outlook kann schnell zu unerwünschten Komplikationen führen :-) Vielleicht mache ich das deshalb beim Bloggen auch so. Aber ich kann deine Argumentation schon nachvollziehen.
  • Hi Horst,

    wunderbar. Erzähl später wie's war.

    Wirklich interessant. Ich mach's genau umgekehrt. Person, dann Betreff und dann den eigentlichen Text. Damit geht eine Nachricht direkt an eine Person. Und das Versprechen ist in der Betreffzeile. Funktioniert super.
  • Ich musste nach dem Lesen deines Beitrags mal kurz in mich gehen und überlegen, wie ich es eigentlich mache ;)

    Mir geht es ziemlich oft so, dass ich vor dem Schreiben eine ganz klare Idee von der Überschrift habe, meinen Beitrag niederschreibe und dann doch merke, dass sich eine andere Überschrift besser eignet. Bei mir persönlich ist das, wie du ja auch beschrieben hast, ein Reifeprozess über teils mehrere Tage. Ich habe mehrere angefangene Artikel die ich je nach Lust und Laune weiterführe. Am Ende steht dann oft ein ganz anderer Inhalt als den, den ich ursprünglich im Kopf hatte. Das "Versprechen" in der Headline muss dann natürlich dementsprechend angepasst werden.
  • Hi Sebastian,

    ja, wie David es auch schon beschrieben hat, oft machen wir es Intuitiv. Ich schreibe auch intuitiv die Überschrift immer zuerst.

    Genau, so ist es bei mir auch. Und sollte es auch immer sein. Vor allem Pausen lassen einen immer den Text und die Überschrift in einem anderen Licht sehen.

    Das es am Ende ein anderer Inhalt ist find ich interessant. Das ist bei mir niemals der Fall. Ich habe immer eine Kernidee.
  • Hallo Vladislav,

    vielen Dank für einen weiteren guten Artikel. Dies werde ich gleich bei meinem nächsten Artikel versuchen, da ich bisher meine Überschriften immer am Schluss geschrieben habe.

    Aber dein Artikel hat mich echt vom Gegenteil überzeugt ;).

    Ich wünsche dir und der gesamten Bloggergemeinschaft eine schöne Osterwoche :D
  • Hi Moritz,

    ich danke dir! Ja, teste es aus und bereichte uns darüber!

    Ebenso!
  • Toller Beitrag!
    Klar, die Überschrift steht bei mir immer zuerst und dann kommt der Text. Ohne eine feste Überschrift weiß ich immer nie über was genau ich schreibe. Zuerst mache ich mir Gedanken über folgende Dinge:
    1) Thema
    2) Überschrift
    3) Text
    Habe ich ein Thema gefunden, kommt die Überschrift und dann erst der Text =)
  • Hey Fabian,

    sehr schön! Ist ja genau meine Struktur! :)
  • Ich beginne oft mit einem Bild ... da entsteht die Überschrift fast wie von allein. Allerdings wird Dein genannter Schritt 6 extrem ausgereizt! :-)

    Viele Grüße und weiter so!
    Nicole
  • Hi Nicole,

    auch eine gute Idee! Dennoch ist die Überschrift wichtiger, weil man sie einfach überall sieht.

    Schritt 6 muss komplett ausgereizt werden! :D
  • Hallo Vladislav,

    bislang lasse ich mich beim Schreiben meiner Artikel komplett von der Intuition leiten. Aber ich werde mal Deine Tipps umsetzen und den nächsten Artikel von den Überschriften her beginnen.

    Danke, David
  • Hi David,

    auch ein schöner Weg. Daran habe ich gar nicht gedacht! Das Bauchgefühl ist mächtig. Man muss nur Mut haben ihm zu vertrauen.

    Sehr cool. Gib uns gerne Feedback. Bin gespannt!

Was denkst du?