Was Shakespeare dir übers Werbetexten beibringen kann

Von Vladislav Melnik 37

„Sein oder Nichtsein.“

Das sind die ersten 3 Wörter aus dem Stück Hamlet. 3. Akt, 1. Szene.

Ohne Zweifel, dieses Zitat ist das berühmteste von William Shakespeare. Wenn nicht sogar eines der berühmtesten Zitate überhaupt.

Die englische Version „To be or not to be?“ veranschaulicht das Ganze noch mal genauer. Keines dieser 6 Wörter hat mehr als 3 Buchstaben.

Das nenne ich mal Einfachheit!

Und… was lernen wir nun daraus?

Einfachheit gewinnt. Immer.

Gute Werbetexte sind in einer einfachen, klaren und knappen Art und Weise geschrieben. Sie sind auch keine Essays. Sie kommen direkt zum Punkt.

Gute Werbetexte benutzen einfache Wörter. Sie versuchen nicht ihre Freunde, Kollegen und Kunden mit ihrer Intelligenz und ihrer Pfiffigkeit zu beindrucken. Sie versuche einfach… zu kommunizieren. Ich sage immer, ein Fünftklässler muss deinen Text verstehen.

Gute Werbetexte benutzen auch ausreichend Unterübschriften und Paragrafen (ein Paragraf sollte immer nur eine Idee wiederspiegeln). Ein großer Textbrocken macht eben alles andere, außer zum Lesen einzuladen.

Gerne kannst du auch Grammatikregeln brechen (und ich höre jetzt schon wie die Germanistik-Studenten aufschreien :)). Vor allem dann, wenn dein Text dadurch einfacher, leicht verständlicher und unterhaltender wird. Bei unseren tagtäglichen Unterhaltungen machen wir es ja genau so. Oder?

Gerne kannst du auch Satzteile unbeendet lassen, Paragrafen mit nur einem Satz benutzen und mit Verbindungswörtern (und, aber, etc.) anfangen. Das ist alles in Ordnung. Meistens sogar erwünscht.

Gerne kannst du auch fett und kursiv benutzen, wenn du etwas betonen oder für den Skimmer hervorheben möchtest.

Wichtig ist auch, dass du persönlich schreibst. Schreibe immer nur zu einer Person. So, als ob sie genau vor dir sitzt. Stelle dir deinen perfekten Kunden vor und „rede“ mit ihm. Nur mit ihm.

Werbetexten ist eben genau so, als ob du eine lebhafte Unterhaltung führst. Mit allem drum und dran.

Ach… vergiss auch nicht nummerierte und unnummerierte Listen. Sie ziehen wunderbar die Aufmerksamkeit auf sich. Und wir Menschen lieben diese Dinger einfach.

Die Harvard-Studie

Meine Aussagen belegt auch folgende Studie. In einem Artikel in der Harvard Business Review hat Charles K. Ramond Experimente beschrieben, die die Effektivität von Werbung bestimmten sollten.

Ergebnis war (wie erstaunlich), dass Werbung am effektivsten ist, wenn sie leicht verständlich ist. In anderen Worten, du verkaufst mehr, wenn du in einer klaren Art und Weise schreibst.

In der Theorie klingt das alles einfach. Aber wenn etwas einfach aussieht, dann steckt da meistens wirklich eine Menge Arbeit hinter. Selbst der gute alte Hemingway hat manchmal einen ganzen Vormittag nur für einen einzigen Paragrafen gebraucht.

Werbeguru David Ogily hatte damals auch eine Anzeige für Dove geschrieben. In dieser Anzeige kam ein Wort vor, dass 43% der Zielgruppe (damals Hausfrauen) nicht verstanden haben. Es musste geändert werden. Ein anderes mal fragte ihn ein Reporter am Telefon, was das Wort in einer anderen Überschrift zu bedeuten habe. Er wusste es selber nicht. Seit dem hatte er immer ein Wörterbuch dabei.

Der Grund warum wir kurze Wörter zum Unterhalten benutzen ist, weil sie dem Redner und Zuhörer genau das selbe sagen. Und genau aus diesem Grund benutzen wir diese Wörter auch zum Denken.

Im Werbetexten ist es wichtig, dass der Leser schnell, innerhalb weniger Millisekunden, das aufnimmt, was er aufnehmen soll. Kurze, einfache Wörter sind einfach und angenehm. Das Auge nimmt diese ohne großen Aufwand sofort auf.

Fazit

William Shakespeares berühmtes Zitat: „Sein oder Nichtsein“ ist einfach und simpel. Und genau so soll dein Werbetext sein. Einfach und simpel.

Vermeide also maximale Verwirrung und minimale Kommunikation. Vermeide lange Sätze, Klischees, komplizierte Wörter, technischen Jargon, keine Spezifikationen und eine schlechte Struktur. Komme zum Punkt.

Gute Webetexte werden einfach in einer Sprache geschrieben, die Menschen jeden Tag für ihre Unterhaltung benutzen.

Und um die Macht der Einfachheit zu beweisen, ist dieser Artikel auch viel kürzer als meine anderen.

Denn die Einfachheit gewinnt. Immer.

Schreibst du jetzt klarere und einfachere Sätze?

Chimpify Keynote

13. Dezember 2016    10:00 Uhr
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37 Kommentare

  • Hallo Vladislav,

    ich habe gerade im Marketing angefangen und null Erfahrung. Deine Artikel kommen gerade wie gerufen! Vielen Dank dafür.

    Aber (jaa, ein aber gibt es meistens): das "brechen" von Grammatikregeln finde ich persönlich schrecklich. Wenn, dann sollte es eine Zweck haben (einen Punkt verdeutlichen z. B.). Ansonsten finde ich es wirkt so, als hätte man sich nicht die Zeit genommen, den Artikel korrektur zu lesen. Und wenn Du Dir bei Deinem Artikel (augenscheinlich) keine Mühe gibst- warum sollte ich ihn dann lesen?

    Aber trotzdem ein toller Artikel. Lese jetzt wohl noch ALLE anderen :-D

    Grüße,
    Sandra
  • Jetzt weiß ich endlich wieso ich so unglaublich gerne deine Artikel lesen :)
    Kurz. Prägnant. Einfach. Der Lesefluss ist unheimlich angenehm :)
  • Danke für den Artikel. Hat mich mal wieder erinnert zurück auf den Boden. Simple is the best. Ich werde mir den Text zu Herzen nehmen.
    Danke
  • Hallo Ralf,

    ich danke auch!

    Da hast du vollkommen recht. Simple is the best!
  • "Einfachheit gewinnt. Immer." Ganz ehrlich... das muss ich mir endlich mal merken. Du bringst es echt auf den Punkt. Thanks. ;-)
  • Danke Michel! Keine Ursache, dafür bin ich da! ;)
  • WOW! Der Artikel ist einfach richtig klasse! Ich bin regelrecht beindruckt; hat die richtige Länge, Substanz, lohnt zum Durchlesen. Werde ich mir gleich noch ausdrucken und ein weiteres Mal in Ruhe durchlesen.
  • Juschin, vielen lieben Dank!

    Freut mich! :)
  • Hi Vlad,

    ich glaube ich sollte mehr Absätze mit weniger Text nehmen wie du. Ich schreibe teilweise noch Blöcke.

    Danke für den Tipp, das macht die Lesbarkeit besser.

    Oder was sagst du zu meinen Blogartikeln? Was würdest du daran auf jedenfall ändern?

    Beste Grüße,
    Dennis
  • Hi Dennis,

    mir sind auch nur die Absätze aufgefallen. Würde mehr davon verwenden. Sieht vielleicht ein bisschen blöd aus, aber ist Benutzerfreundlicher.

    Benetze auch ruhig Paragrafen mit 1, 2 oder 3 Wörtern. Und generell, ein kleiner Paragraf sollte nur eine Idee wiederspiegeln.
  • Erinnert mich stark an Simyo ...
    weil einfach einfach einfach ist? ... :D
  • Hi Benjamin,

    ja, Simyo hat's erkannt! ;)

    ...hätte ich auch wunderbar als Einleitung nehmen können!
  • Du praktizierst was Du predigst. Klasse. Danke!
  • Hi Mark,

    danke dir. Das ist genau mein Motto!
  • Haha da sind meine Blogeinträge scheinbar schlecht geschrieben :D eine weitere Aufgabe die ich mir vornehmen kann :)
  • Hi Tjark,

    ja, gute Texte zu schreiben ist nicht einfach! Das Geheimnis liegt im Tun (und ein bisschen im Lesen).

    Und, man lernt nie aus im Leben! :)
  • Kurze Sätze fallen mir auch eher schwer. Aber eigentlich sollte ich mich mehr daran halten um auch den ganzen Regeln aus dem Weg zu gehen :-).


    Guter Artikel!
  • Hey Stefan,

    danke dir! Man muss sich einfach antrainieren kurze, knappe Sätze zu schreiben. Irgendwann klappt es dann von alleine.

    Welche Regeln meinst du (denen du aus dem Weg gehen möchtest)? :)
  • Mal wieder ein toller Beitrag. Muss mich gleich an der Nase nehmen. Ich neige üblicherweise zu komplizierten Sätzen :)
  • Danke dir Claudia!

    Ich denke das ist natürlich. In der Schule werden wir "komplex" erzogen. Ist jedoch falsch :)
  • nur noch kurze Sätze! :-)
  • oups, 6 Wörter stimmt schon, aber warum nur 2 Buchstaben, ich zähle bei "not" 3 Buchstaben, zähl besser nochmals nach. Gut war jetzt ein sehr langer und komplizierter Satz von mir, aber soll ja auch keine Werbung sein.
  • Hey hey,

    ja, das wurde schon angemerkt. Sorry!

    Ist mir einfach nicht aufgefallen. Man wird halt blind, wenn man so viel daran arbeitet.

Was denkst du?